Über uns

Der Verlag und seine Geschichte

Martin Hürlimann gründete den Atlantis-Verlag 1930 in Berlin. Als er für seine erste Tochter ein Bilderbuch suchte, war er enttäuscht vom Angebot und beschloss, zusammen mit seiner Frau Bettina Hürlimann-Kiepenheuer, selbst Kinderbücher zu verlegen. 1939 zog das Paar mit dem Verlag nach Zürich. Die Atlantis-Bilderbücher wurden zu einem Programm, das Maßstäbe setzt; geprägt von der »Bücherfrau«, die einerseits ihre Bücher bis ins Detail mitgestaltete und andererseits weltweit aktiv war (IBBY, BIB). Bis heute sind Titel aus dieser Zeit im Programm, etwa »Der Xaver und der Wastl« (1962) von Heidrun Petrides.

Der Atlantis-Verlag verlegte auch Bildbände, Musikbücher und Weltliteratur (z.B. Max Frisch) und war geprägt von den persönlichen Interessen des Verlegerpaars. 1981 wurde der Verlag aufgeteilt. Die Stiftung Pro Juventute übernahm den Kinderbuchteil und verband damit qualitativ hochwertige Bilderbücher mit praxisorientierten Elternratgebern.

Programm

Atlantis-Bilderbücher setzen inhaltlich und ­grafisch Akzente; ein Schwerpunkt sind betont ­individuelle Stile, etwa Die zweite Arche von Heinz Janisch und Hannes Binder. Trotz ­außergewöhnlichen Ideen und Illustrationen bleiben Atlantis-­Bilder­bücher nahe am Publikum: Sonja Bougaeva hat mit ihren Büchern große Aufmerksamkeit erlangt und mit ihrem Witz zugleich viele Kinder erreicht. Die Werke des erfolgreichen Duos Lorenz Pauli und Kathrin Schärer werden regelmäßig zu Bestsellern und begeistern Kinder, Buchhandel und Kritiker.

Die beliebten und erfolgreichen Sachbilderbücher der Reihe »atlantis-thema« sind erzählt wie ein Bilderbuch und detailgenau wie ein Sachbuch. Zu vielen Titeln gibt es Begleitmaterialien als Gratis-Download auf der Verlagshomepage. Jedes Sachbilderbuch ist individuell gestaltet, von versierten Autorinnen und Autoren entwickelt und von Fachleuten begleitet.

Lieferbar sind rund 150 Bilderbücher, unter anderem die beliebten Verse-, Spiel und Bastelbücher von Susanne Stöcklin-Meier sowie die zum Kult gewordenen Barbapapa-Bilderbücher.

 

Atlantis Literatur taucht wieder auf

Nicht das sagenhafte Inselreich, aber der nach ihm benannte Atlantis Verlag ist wieder da – als Belletristikverlag. 1930 vom Schweizer Martin Hürlimann in Berlin gegründet und in der Zeit des Nationalsozialismus nach Zürich umgezogen, war der Verlag, neben dem heute noch bestehenden erfolgreichen Kinderbuchprogramm, vorwiegend für die gleichnamige Zeitschrift, für Fotobände, Musikbücher und Schweizer Literatur bekannt.

Im neuen Atlantis Literaturverlag wird zum einen die belletristische Tradition aufgegriffen. Wer weiß zum Beispiel heute noch, dass frühe Werke Max Frischs zunächst im Zürcher Atlantis Verlag erschienen? Zum anderen ist der Verlag aber auch von der Achse Berlin–Zürich inspiriert: Den Blick über die Landesgrenzen hinaus gerichtet, soll ein Programm mit zeitgenössischer Literatur aus allen Landessprachen entstehen, in dem auch literarische Wiederentdeckungen, Sachbücher und Kriminalromane aus der Schweiz Platz haben. Pro Saison werden acht bis zehn Titel erscheinen, der Vertrieb erfolgt über den Kampa Verlag.

Die Verlagsleitung und programmatische Verantwortung des Atlantis Literaturverlags übernimmt Daniela Koch. Die Germanistin und Roma- nistin ist seit über 20 Jahren in der Verlagsbranche tätig. Nach Stationen in Berlin und beim Zürcher Ammann Verlag war Daniela Koch zuletzt bei Rotpunkt, wo sie vor fünf Jahren die Edition Blau ins Leben rief. Daniela Koch: »Eine neue lebendige Literaturinsel entsteht! Den Namen Atlantis mit wegweisenden Stimmen der Gegenwart und versunkenen Perlen wiederzubeleben, ist eine wunderschöne Aufgabe. Und ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit dem Team des Atlantis Kinderbuchverlags.«

Das Kinderbuchprogramm verantworten weiterhin selbstständig Eva Roth und Hans ten Doornkaat.

Aus dem ersten Atlantis Literaturprogramm, das im Frühjahr 2022 lanciert wird, erscheint ein Titel vorab am 9. September 2021: Der Sommer, in dem ich Schwarz wurde von Angélique Beldner und Martin R. Dean. Ein Sachbuch, in dem die Autor*innen vor dem Hintergrund ihrer Biographien fragen, wo die Schweiz beim Thema Rassismus steht und wie über und gegen Rassismus gesprochen werden kann. (Siehe dazu die separate Pressemitteilung.)

Zum 1. Januar 2021 übernahm der Kampa Verlag den Atlantis Kinderbuchverlag von der Orell Füssli AG. Nun wird die Verlagsmarke Atlantis als Belletristikverlag reaktiviert. Daniel Kampa: »Der Atlantis Verlag ist einer der ältesten Verlage der Schweiz. Dass er nicht in der Schweiz, sondern in Berlin gegründet wurde, betrachte ich als gutes Omen, um Schweizer Themen und Autor*innen zu einer Ausstrahlung auch jenseits der Landesgrenzen zu verhelfen. Der Verlag will die Vielsprachigkeit, die Vielfalt der Schweizer Kultur abbilden. Dazu gehört der Blick nach draußen – und so wird auch internationale Literatur bei Atlantis erscheinen. Daniela Koch war von Anfang an unsere Wunschkandidatin als Ver- legerin, hat sie doch im Rotpunktverlag erfolgreich die literarische Edition Blau aufgebaut, die Schweizer Literatur aus allen Landessprachen mit internationaler Literatur verbunden hat. Sie hat mit Autor*innen wie Fabio Andina, Paolo Cognetti, Leta Semadeni, Vincenzo Todisco große Erfolge gefeiert und auch die vielbeachtete Neuausgabe der Werke von Cesare Pavese betreut.«

Zürich, den 1. September 2021