Frischs frühes Werk: erstmals in erweiterter Ausgabe
»Es ist, als habe die Zeit einen
Sprung bekommen …«

 

Am Morgen war er noch im Wald, junge Eschen für ein Taubenhaus zu schlagen – da läuteten die Glocken. Es ist der 1. September 1939, auch der Architekt, der einen ersten Auftrag hat, muss alles stehen und liegen lassen – Generalmobilmachung. Es verschlägt ihn in ein Tessiner Bergdorf, wo die Kinder den Soldaten helfen, das Schulhaus auszuräumen und der Spätsommer mit den blauen Trauben an den Reben leuchtet. Er spitzt erneut den Bleistift, um Stellungen zu bauen. Der deutsche Überfall droht. Es ist ein Wachen und Warten. Wenn am Abend alle zusammen die Nachrichten hören, blickt niemand auf. In Blätter aus dem Brotsack erzählt Max Frisch das unmittelbare Erleben, den Schock des Kriegsausbruchs – ein Jahrhundertereignis, das nicht zu fassen ist und doch alles verändert, alle Pläne durchkreuzt. Noch ist es wie ein böser Traum, aus dem man bald zu erwachen hofft. Die ersten Wochen Soldatenalltag, Bergmärsche mit Blick auf die Gipfel, ein Fußballspiel, das das Krankenzimmer füllt, Abende am Kamin, all das schiebt sich vor die andere Wirklichkeit, die aus dem Radio zu ihnen dringt. Kurz scheint sie auf, die nackte Angst vor dem, was morgen kommt.

Frischs frühes Werk wurde zu Beginn 1940 bei Atlantis publiziert. Die Neuausgabe schlägt nicht nur eine Brücke zu den Anfängen des Verlags, sondern enthält erstmals auch die Blätter von 1940, wie vom Autor selbst seinerzeit angeregt.

 

»Ich möchte Ihnen doch mitteilen, dass ich, als stellenloser Architekt, wieder eine Hand voll Brotsackblätter gemacht habe, – die nun demnächst im Romanfeuilleton erscheinen werden.«
Aus einem Brief von Max Frisch an den Atlantis Verlag, 28.11.1940

 

MAX FRISCH
Blätter aus dem Brotsack
Erweiterte Neuausgabe
Mit einem Nachwort von Tobias Amslinger
144 Seiten | Gebunden
€ (D) 22,– | sFr 30,– | € (A) 22,60
ISBN 978 3 7152 5010 6
lieferbar

Gern können Sie diesen Titel direkt bei uns bestellen.